Das menschliche Wesen
Aristoteles führt eine dreifache Bestimmung des menschlichen Wesens ein, die für die praktische Philosophie grundlegend ist:
- „Der Mensch ist ein vernünftiges Wesen, weil er von Natur aus nach Wissen strebt (Metaphysik).
- Der Mensch ist ein soziales Wesen, weil er von Natur aus nach einem Leben in der Gemeinschaft strebt (Politik).
- Und der Mensch ist ein moralisches Wesen, weil er von Natur aus nach einem Gut strebt (Ethik)
Dabei verweisen diese drei anthropologischen Bestimmungen aufeinander: Das Streben nach einem Gut setzt das Wissen um das gute Ziel des Handelns voraus, gutes Handeln ist wiederum nur in einem sozialen Kontext, also in einer Gemeinschaft möglich. Und nur in einer Gemeinschaft entsteht das Wissen darüber, was ein gutes Ziel des Handelns sein kann.
Während für Platon alles Handeln auf die kontemplative Erkenntnis ausgerichtet ist, anerkennt Aristoteles die Eigenständigkeit einer praktischen Philosophie, in der das gute Handeln und die Sozialität des Menschen im Mittelpunkt der Untersuchung stehen.
Das Ziel der Ethik ist für Aristoteles die Glückseligkeit des Menschen, das Ziel der Politik ist es, den Menschen hierzu die notwendige Umwelt bereitzustellen. (Rommerskirchen 2019, S. 14)
Was heißt hier „gut“?
Die Frage nach dem Guten ist Leitfrage der Ethik.
Daraus abgeleitete Handlungsfragen der Ethik sind:
- Ist die Handlung (für mich und an sich) gut ?
- Sind die Folgen einer Handlung (für mich und an sich) gut ?
- Ist das angestrebte Ziel (für mich und an sich) gut ?
- Führen diese Handlungen und diese Ziele zu einem guten Leben ?
Hierzu haben die Tugendethik nach Aristoteles, die Pflichtenethik nach Kant oder der Utilitarismus (z.B. nach Bentham oder Singer) je nach Situation unterschiedliche Antworten (Link: siehe -> Vertiefung, folgt).
In diesen ethischen Fragestellungen lautet der Antagonismus: gut oder schlecht. Eine Handlung und ihr Motiv oder ihr Ziel, der Charakter oder die Lebensführung eines Menschen können im ethischen Sinne gut oder schlecht sein.
(s.a. Rommerskirchen 2019, S. 18)
Fortsetzung folgt …