Ich brauche einen Krug Wein und einen Gedichtband,
zum Essen einen halben Laib Brot,
und dann werden wir, du und ich, an einem einsamen Ort
mehr Reichtum besitzen als ein Sultan. (Omar Khayan)
In der Philosophie gibt es Traditionen, die sich der konkreten Frage nach dem guten oder gelingenden oder dem glücklichen Leben stellen.
Einige VertreterInnen dieser lebenspraktischen Philosophie machen ihre Vorstellungen von einem guten Leben nicht durch abstrakte Theorien, sondern durch ihre konkrete Lebensweise sichtbar. So auch Sokrates, der ja selbst nichts Schriftliches verfasst hat und vor allem dafür bekannt ist, dass er auf den Straßen und Plätzen Athens und bei Festgelagen andere Menschen zum selbständigen Nach-Denken anregen wollte und selbst mit seinem Lebenswandel seine Werte vorgelebt hat.
Der „Lebensphilosoph“ Diogenes von Sinope könnte als einer der ersten konsequenten gesellschaftlichen Aussteiger betrachtet werden. Denn er verzichtet auf alles, was den Menschen gemeinhin als Weg zum Glück erscheint: materielle Güter, Karriere, Freunde, Familie. Als Freund akzeptiert er nur einen Hund. Alexander der Große will ihm angeblich einmal einen Wunsch erfüllen. Doch statt Geld oder ein attraktives Amt wünscht Diogenes nur: „Geh mir aus der Sonne“. Durch seine Art zu leben provoziert er mit der Frage, was das Leben wirklich lebenswert macht.

Diogenes von Sinope (besser bekannt als Diogenes in der Tonne), Bildquelle: Wikipedia
Glück durch Genuss oder durch Freiheit von Verlangen?
Auf die Frage nach dem guten (oder: glücklichen) Leben entwerfen in der Spätantike die „Denkschulen“ der Stoiker (sie stehen in der Tradition des Diogenes) und der Hedonisten (Epikureer) gegensätzliche Theorien als Antwort.
Für die Stoiker liegt der Weg zum Glück in der Bedürfnislosigkeit und der inneren Freiheit.
Für die Hedonisten liegt es im richtigen Genuss. So ist für Epikur Glück vor allem ein Zustand, der frei ist von Unlust. Glück erlangt, wer sich von Unruhe und von Schmerz zu befreien vermag. Ein wichtiger Weg, Lust zu erfahren, ist für Epikur die Erfahrung von wirklicher Freundschaft.
Beide Ansätze haben etwas für sich und sich auch aus heutiger Sicht interessant.
Was führt zu einem guten Leben?
Die Idee, dass es im Leben vor allem darum gehe, eine Haltung zu entwickeln, die uns hilft, unvermeidliche negative Lebenserfahrungen zu bewältigen, finden wir z. B. dann auch in der Philosophie Arthur Schopenhauers (19. Jh).
Auch in der jüngeren Philosophie-Geschichte (also seit dem 19. Jh) haben sich viele mit der Frage nach dem guten oder glücklichen Leben auseinandergesetzt. Klassiker der Lebensphilosophie sind z. B. Arthur Schopenhauer, Sören Kirkegaard oder Friedrich Nietzsche. Gegenwartsphilosophen, die die Frage nach dem gelingenden Leben stellen, sind z. B. Wilhelm Schmidt oder Peter Sloterdijk („Du musst dein Leben ändern“).
Nach John Rawls:
Menschen- und Bürgerrechte, Einkommen, Besitz, Zugang zu öffentlichen Ämtern, soziale Grundlagen der Selbstachtung.
Nach Martha Nussbaum:
Nicht Güter, sondern Befähigungen sind zentral:
Gesundheit, Fantasie, Denken, praktischer Verstand, Verbundenheit mit anderen Menschen, Spiel.
Nach Robert Skidelsky:
„Basisgüter“ sind nicht Mittel oder Befähigungen zu einem guten Leben, sondern machen ein „gutes Leben an sich“ aus:
• Gesundheit
• Sicherheit
• Respekt
• Persönlichkeit
• Harmonie mit der Natur
• Freundschaft
• Muße
(Skidelsky, Robert und Skidelsky, Edward : Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens. München, Kunstmann 2013.)